#EAGATE – EA’s FUT-System im Schwarzmarkt-Skandal!

by Toshio Riko

FUT-Karten von besonders hohem Wert wurden über EA-Accounts an Spieler illegal verkauft. Profitiert haben scheinbar eigene Mitarbeiter von EA, während vermutlich eSports-Spieler sich die Vorteile erkauften. Doch Schuld hat EA auch selbst, denn Gier beschwört Gier.

Electronic Arts macht einen unfassbaren Umsatz mit dem Verkauf von FUT-Packs. Wer FUT nicht kennt (so wie ich eigentlich auch), der braucht sich darunter folgendes vorstellen: Das sind Panini-Packs, nur dass der Inhalt nicht zum Ausfüllen eines Heftes gebraucht wird, sondern zur Erweiterung des eigenen Kaders im FIFA-Online-Modus. Wie gut oder schlecht die Spieler sind, das entscheidet der Zufall. Und man muss sehr, sehr viel Geld ausgeben, um ein wirklich gutes „Deck“ zu haben, mit dem man dann im Spiel gegen andere antreten darf. Manche Spieler sind dabei seltener als andere, klar. Dazu gibt es noch, die einmal mehr den Wert der Karte erhöhen. Sei es reguläres „Gold“, oder „Team of the Week Gold“ … Wer nicht aktiv FIFA spielt oder, wie ich, wenn überhaupt das „100% aus recyceltem Material“-bestehende Spiel für den Karriere-Modus anschmeißt, wird hier nicht durchblicken …

Muss man auch nicht. Man muss nur verstehen, dass bestimmte Kartenkomibs wie Werte, Farbe und Spieler irgendwie den Wert erhöhen. Nicht jeder weiß, wie Texas Hold’em funktioniert (ich schon, wenigstens was), aber jeder weiß: Ein Royal Flush heißt gewinnen! Und man weiß, sdass irgendwelche Kombinationen aus Karten bedeuten, dass man „mehr“ auf der Hand hat als andere. Und genau darum geht es hier, dass bestimmte Karten oder Sets bei FIFA so viel Wert sind, dass Leute dafür bereit sind, wirklich viel Geld zu zahlen. Und andere sind bereit, daraus ein illegales Geschäft zu stricken.

Das zumindest scheinen User auf Twitter aufgedeckt zu haben, die Screenshots von vermeintlichen Gesprächen zwischen einfachen EA-Mitarbeiten und interessierten Kunden geposted haben. Hier versucht der Mitarbeiter, dem Kunden Karten, die sonst einen Wert von über 2500 € haben, für einen „Schnäppchenpreis“ von nur 750 € oder etwas mehr anzubieten. All das sei ganz sicher, es gäbe keine Risiken, niemand fände das je heraus … ups.

Es handelt sich hierbei wohl zum Beispiel um Karten von Ronaldo Nazario in der Prime-Icon-Moments-Variante (das sagt mir jetzt auch nichts, aber okay) und Ruud Gullit. Diese Karten sind dabei so selten, dass sie praktisch niemand wirklich besitzt. Und daraus scheinen Mitarbeiter ein Geschäftsmodell entwickelt zu haben.

Was genau sie dazu bewegt hat … Wer weiß das schon. Scheinbar gab es wohl einige, willige Kunden und wenn man pro Kunde mal eben 750 € oder mehr bekommt, dann summiert sich das schnell zu einem hübschen Nebenverdienst. Vielleicht dachten sie auch, wenn EA so viele Milliarden mit der Abzocke von Spielern und süchtigen Kiddys macht, dann dürfen sie auch EA etwas abzocken. Rein moralisch betrachtet. Dafür haben sie ein System von EA ausgenutzt, das praktisch wie gemacht ist für das Verhehlen von Schwarzmarkt-Items. Wie EA bereits in einem Statement klargestellt hat, haben mehrere Mitarbeiter offensichtlich (man möchte kompromittierte Accounts nicht ausschließen) besondere Accounts genutzt, die sonst nur zur Vergabe von bestimmten Inhalten an prominente Fußballer oder Partnern zu vergeben (also Müller vom FC Bayern erhält von EA für ein Video sich selbst als beste FUT-Version, dafür macht Müller neben zweistelligen Zahlungen noch etwas Werbung auf Instagramm für das FIFA 19, Pardon, 21, ist ja eh das gleiche). Mit diesen Accounts konnten sie dann an bestimmten Tagen, warum auch immer nur montags, Karten an eben jene Schwarzmarkt-Kunden vergeben.

Wer diese Kunden sind? Fraglich, vermutlich aber kein normaler Spieler. Man muss hier schon davon ausgehen, dass eSports-Spieler sich versucht haben, so Vorteile zu erkaufen, um den perfekten Kader für ihre Spiele zu haben.

Zumindest wurde nun die Vergabe solcher Karten über die Accounts gestoppt. Damit ist der aufgebaute Schwarzmarkt der Mitarbeiter (oder Hackern) vorübergehend der Hahn abgedreht. Intern ermittelt EA nun, wer genau dafür verantwortlich ist und welche Spieler sich solche Karten geleistet haben. Die sollen dann, zumindest laut EA, rigoros gebannt werden

Aber EA hat auch eine eindeutige Mitschuld an diesem Skandal. Schließlich sind sie es, die ein eSports-Spiel betreiben mit einem Pay2Win-Modus, der vor allem diejenigen belohnt, die viel Geld in die Karten-Packs, also Lootboxen investiert. Da kann ein eSport-Spieler schon mal in die Versuchung geraten, sich nach billigeren Alternativen umzusehen. Wäre ich so ein Profi-Spieler, würde ich sicherlich wenigstens einmal darüber nachdenken, auf irgendeine Art und Weise an gute Karten zu gelangen, die mir einen ordentlichen Vorteil verschaffen, ohne 20.000 € in Lootboxen ausgeben zu müssen.

Während in sonstigen Spielen wie CS:GO, Rainbow Six: Siege, Rocket League oder League of Legends hauptsächlich Skins verkauft werden, aber man nicht über Käufe, vor allem im eSports-Bereich, sich Vorteile er(schummeln)kaufen kann, besteht hier zumindest keine Gefahr für solche Vorfälle. Hier sind nur Cheats ein Problem, wobei das nicht einmal auf Rocket League zutrifft.

Wer also als Entwickler und Betreiber eines Spieles diejenigen belohnt, die viel Geld ausgeben, um „super seltene“ und dazu auch noch „super gute“ Spieler zu erhalten, der müsste die Gefahr wenigstens erahnen können, dass das System auch ausgenutzt werden könnte. Und wer dann auch noch interne Accounts besitzt, mit denen die seltensten Karten vergeben werden können, müsste erst recht höllisch aufpassen. Hat man aber nicht. Man musste als einer der umsatzstärksten Gaming-Firmen sich auf die Community auf Twitter verlassen, dass diese die schmierigen Machenschaften einiger Kriminellen aufdeckt. Und das ist schon ein Armutszeugnis für EA, dass es keine Sicherheitsmechanismen gab, die auch eindeutig aufdecken kann, wer Zugriff auf die Accounts haben konnte, wer welche Transaktion herausgeschickt hat und vor allem, wann. Am besten, bevor so etwas passiert.

Hoffentlich hat es sich für die Mitarbeiter wirklich gelohnt, denn sobald herauskommt, wer dafür verantwortlich ist, sind sie schneller ihren Job los, als … mir fällt kein passender Vergleich ein als Pointe. Egal, ob sie die Gier oder weil sie zu schlecht bezahlt worden sind dazu trieb, dürfte darauf sicherlich auch eine Anzeige wegen Betrugs, Hehlerei und/oder Diebstahls etc. folgen, was besonders in den USA für saftige Haftstrafen sorgt, wenn es um einen Haufen Geld geht.

So wie der Acker verdorben wird durch Unkraut, wird der Mensch verdorben durch seine Gier.

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