Sims 5: Abo-Modell? Ja, bitte!

by Toshio Riko

Die Sims, sicherlich kein Spiel, das wirklich viel diskutiert wird, hier auf EPvP. Dennoch bin, oder war ich leidenschaftlicher Sims Spieler seit ich denken kann. Und heute trauere ich dem einst so gutem und buntem Lebens-Simulatur hinterher. Doch eine Rettung könnte es geben; ein Abo-Modell, statt überteuerte Erweiterungspacks. Aber da bin ich wohl als einziger dieser Meinung.

Bei mir begann alles mit Sims 2. Um genauer zu sein mit dem Haustiere-Pack, welches am 19.10.2006 erschien – und ja, ich wusste nicht, dass man dazu das Hauptspiel brauchte, musste also am nächsten Tag wieder zu Media Markt laufen und mir mit hart erschnorrten Geld meiner Mutter das Hauptspiel kaufen. Man, war ich damals von diesem Spiel begeistert. Ich habe es immer schon geliebt, in Spielen meine eigene, kleine Geschichte zu verwirklichen und auszuleben. Sandbox to the fullest, oder so. Bauen hat mich nie interessiert, bei mir war jede Sim-Familie wie eine eigene, kleine Story, die sich immer weiterentwickelte. Kaum verwunderlich, dass ich heute schlechte Bücher schreibe.

Natürlich war es da nur eine Selbstverständlichkeit, dass ich mir von unseren damaligen Familienfreund, einem Galeristen der bei uns im Haus mit gewohnt hatte, mir die Sims 3 wünschte, als es endlich angekündigt wurde. Man, war ich, der kleine Toshio, da froh, dieses Spiel als einer der Ersten in den Händen halten zu dürfen. Und verdammt, war die Open World für ein Sims-Spiel groß und lebendig. Und was war die erste Erweiterung ein Knüller. Fremde Welten besuchen können, frei begehbar mit seinem Sim (oder Sim-Familie) und dabei richtige Abenteuer bestreiten, Gruften erkunden, sein Visum erarbeiten und viele, kleine Quests erledigen mit richtigen Hintergrund-Geschichten. Man musste sich hier noch was erarbeiten und das hat vielleicht einen Spaß gemacht und war, zumindest für mein zartes Alter von 11 damals, gar nicht so leicht.

Kurz gesagt, Sims 3 startete spektakulär gut für das, was es war (es hatte und hat seine Problemchen, klar. Und überhaupt nicht optimiert, selbst fünf Jahre nach Release waren die Ladezeiten ein Graus). Aber schon als klar wurde, wie Sims 4 im Vergleich zu seinem Vorgänger aufgebaut wird, merkte ich; das kann nicht deren ernst sein. Keine offene Welt mehr, Aktivitäten wurden gekürzt und … und so viel mehr, ich zähle jetzt nicht auf, was noch alles fehlte und auch heute noch fehlt. Aber nicht mal im Basegame Pools und Babys integriert zu haben … das war ein Fiasko und zeigte deutlich, wohin Maxis und EA steuerten: Noch weniger liefern, für noch mehr Profit.

Positiv war lediglich das Bauen. Das haben sie echt richtig gut gemacht. Selbst für Spieler, die weniger daran interessiert wie ich. Aber meine Freundin zum Beispiel, die baut ausschließlich in Sims 4 und für sie ist natürlich Sims 4 allem überlegen. Auch wenn man trotzdem Mods braucht, immer.

Aber das gravierendste Problem bei Sims 4 sind, wie hätte es anders sein können, die völlig überteuerten Erweiterung-, Game- und Stuff-Packs. Ohne jetzt hier zu sehr ins Detail zu gehen, fügen die meisten dieser Packs dem Spiel nichts Neues hinzu, meist nur lieblos gestaltete Karrieren und Welten. Es gibt keinen Mehrwert. Und die teuren Packs schließen dazu noch andere Spieler aus, die nicht weit über 600 € für das gesamte Spielerlebnis ausgeben können. Das mag zwar auch ein generelles Problem bei „Simulatoren-Spielen“ sein, aber Sims ist weit mehr als nur ein reines Simulator-Game.

Das letzte Pack, ich habe schon dessen Namen wieder vergessen – so irrelevant war es – fügte dem Spiel eine erneut völlige lieb- und leblose Welt hinzu und … Ski-Fahren. Für 40 €. Absoluter Cash-Grab. Da spare ich doch viel mehr Geld, wenn ich den Content über Mods und Resources downloade, von Entwicklern und Creators, die viel mehr Zeit, Liebe und Detail in ihre Arbeit stecken.

Also ja, ich empfinde nicht mal, dass Sims 4 als Gesamtheit betrachtet 100 € wert ist. Ich könnte jetzt hier ein ganzes, hundert seitiges Pamphlet darüber schreiben*, wie schlecht Sims 4 ist und was sie in jeder Erweiterung alles verkackt haben. Aber das macht am Ende eh nichts besser und ich habe ja Gott sei Dank auch nie einen Cent für dieses Spiel bezahlt … Hust

Aber es gab ja vor einiger Zeit einige Aufregung um mögliche Ideen von seitens EA, dem Publisher, wie man Sims 5 gestalten kann. Als neues Finanzierungsprojekt. Genauer ging es hier um ein Abo-Modell, welches wohl dem von World of Warcraft ähnlich sein könnte. Man kennt es; du zahlst im Monat etwa 12–15 € und kannst dafür das Spiel spielen, so viel du möchtest. Einzig (selten) erscheinende und große Erweiterungen kosten einen einmaligen, schmalen Taler. Bei WoW wären das für die Erweiterung zum Release immer etwa 45 €, meine ich.

Und das fanden viele Simmer gar nicht toll … doch ich denke, diese Idee die einzige Rettung für das Spiel. Warum? Ganz einfach, wenn man für einen kleinen Betrag Sims 5 spielen kann, und dafür Zugriff auf jeglichen Content hat, spart sich ein einzelner Spieler eine Menge Geld und kann trotzdem alles genießen und ausprobieren. Hardcore-Simmer, die sowieso alle Erweiterungen kaufen, werden ihr Abonnement nie beenden und EA verdient weiterhin an diesen Leuten gutes Geld. Außerdem würden einige, statt das Spiel zu cracken, sicherlich eher mal einen Zehner und paar Zerquetschte ausgeben, wenn sie man wieder Bock auf das Spiel haben. Win-Win für alle, oder nicht?

Für den Gelegenheitsspieler lohnt es sich so definitiv mehr, und so einer bin ich und viele andere sicherlich auch. Auch für Eltern, die gerne mal für die Jüngeren Geld für die Kinder ausgeben müssen, würde sich das deutlich attraktiver anhören als: „Ich brauche 600 € um alles von Sims spielen zu dürfen.“ Stattdessen eben: „Ich brauche mal 12 €, um alles von Sims spielen zu können.“

Wenn dann wirklich der gesamte Content für alle Inklusive wäre, dann könnte sich Maxis auch endlich mal darauf konzentrieren, mehr an der Balance und der Ökonomie des Spiels zu arbeiten, die aktuell völlig ruiniert ist. Denn jetzt hängt alles miteinander zusammen und es ist umso wichtiger, bisherige Content-Erweiterungen auch nachträglich nachzubessern. Etwas, was bisher nie geschehen.

Natürlich wäre es mit dem Abo-Modell nicht einfach getan. Der Content selbst muss es wieder wert sein. Wenn ihr uns ein Restaurant leiten lasst, dann geht da richtig ins Detail und baut tiefegreifendes und spannedes Gameplay auf, nutzt alle Möglichkeiten, die ihr habt und alle kreativen Ideen, die man verwirklichen kann. Und lieber Inhalte, die ein Thema vertiefen aber dann auch richtig ausarbeiten, statt halbherzig hingeschissene Packs, die eh nach einem Tag spielen langweilig werden. Und lasst es nicht soweit kommen, dass ihr, wenn ein Abo-Modell kommen sollte, noch weniger Arbeit in Content reinsteckt, als ihr es sowieso schon tut. Sorgt wieder für Wiederspielwert, für mehr Balance und besseres Ökosystem, dann lasse ich bestimmt auch mein Abo etwas länger laufen.

Und bringt endlich die Open-World zurück. Und zwar eine richtig gute, optimierte Open-World mit lebendigen, selbstständigen Sims. Wir leben im Zeitalter von Raytracing und Co. Da wird es wohl möglich sein, das beste Feature von Sims 3 wieder zu reaktivieren. Etwas, was 2008 funktionierte, wird wohl erst recht im Jahr 2022+ klappen!

Aber … und das darf auf keinen Fall vernachlässigt werden … Sims 5 sollte trotzdem, auch wenn ein Online-Modus, wo man mit einem Partner / Freund gemeinsam in einer Welt lebt und baut echt toll wäre, selbstverständlich Offline spielbar bleiben.

Sind wir am Ende aber mal ehrlich … EA wird Sims 5 genau so versuchen auszuquetschen, denn von der Sims-Community kommt nicht genug Gegenwind. Leider. Sie skandalisieren nicht genug, sondern laufen blind jedem Erweiterungspack hinterher. Und solange gekauft wird, dürfte EA nie etwas ändern wollen an dem Konzept. Schade eigentlich.

FitGirl, ich brauche ein neues Repack!!!

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