Mittwochs-Blog: Die Angst vor der Therapie

by Toshio Riko

Nun habe ich es also von (m)einem Psychotherapeuten schwarz auf weiß: Ich habe Leiden. Gut, das wusste ich auch so. Aber sie sind zu stark, als dass er mich behandeln könnte, noch glaubt er, dass eine einfache Gesprächstherapie Früchte tragen würde.

Diagnose: Zu vieles. Behandlung: Stationär. Symptome: Angst davor.

Wie viel Überwindung hat es mich gekostet, überhaupt einen Psychotherapeuten anzurufen. Wie viel Glück ich gehabt haben muss, dass genau er einen Termin für mich hatte (in der Annahme, es ginge einfach nur um Panikattacken) und ich schon in wenigen Tagen zu Erstgesprächen bei ihm saß. Und als ich ihm dann im zweiten Gespräch kurz und knapp meine (Leidens-)Lebensgeschichte schilderte, er mich kaum zögernd zu einer stationären bzw. teilstationären Behandlung riet.

Natürlich geht, wenn überhaupt, nur die Teil-Variante. Tatsache, dass es mir zu aktueller Stunde mäßig schlecht und nicht grauenhaft dem Abgrund runterfallend geht, liegt alleine an meiner Freundin und meinem Sohn, die mir Halt im Leben geben. Wäre ich länger fort, wäre dieser Halt weg, ebenso wie ich der Halt für meine Freundin bin.

Doch die Angst ist wieder da. Ich spüre wieder Extrasystolen und einer Panik davor, dass mein Herz auszusetzen droht. Diese surreale Angst, dass ich von jetzt auf gleich aufgeben werde, unbewusst und ungewollt. Weil da jetzt dieser eine, aber wohl mehrere Anrufe, vor mir liegen und ich mich um einen Termin in einer Klinik bemühen muss. Ich will nicht. Ich könnte heulen, aber meine Augen sind trocken wie Deutschland 2018. Ich will schreien, aber man hat mich meiner Stimmbänder beraubt. Ich will die Augen verschließen, aber man hat mir von Fitzeks Augenjäger Dr. Suker die Lider entfernen lassen.

Aber ich habe auch vor etwas anderem Angst. Viel größere Angst vielleicht sogar. Und jeden Tag, der voranschreitet, spüre ich diese Angst langsam wieder größer aufkeimen: Dem Rückfall zum Opfer fallen. Nicht etwa der Missbrauch von Substanzen, sondern von der inneren Leere, der tiefschwarzen Nacht, die einen umgibt und nicht mehr loslässt und so lange quält, bis man sich selbst quälen, um diesem Vakuum Freiraum geben zu können. Anders gesagt: Der Wunsch, sich wieder selbst zu verletzen, die Angst, immer tief trauriger zu werden. Die Angst, dadurch Frau und Sohn zu verlieren. An sich selbst. Weil man sich selbst verliert.

Deshalb weiß ich auch, wie wichtig es ist, diesen Problemen Einhalt zu gebieten. Sich dagegen zu wehren. Etwas dagegen zu tun. Woher sie kommen, was man dagegen tun kann. Und wie ich damit umgehen kann. Also werde ich es tun, diesen Anruf wagen. Diese vielen Anrufe tätigen. Für die Liebe zu meiner Freundin und meinem Sohn zur Liebe.

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