Die Therapie … oder: Die Angst vor der Veränderung

by Toshio Riko

Eigentlich müsste man sich ja glücklich schätzen, einen Therapieplatz bekommen zu haben in einer Tagesklinik. Eigentlich geht es ja darum, mir zu helfen und dass es mir besser geht, irgendwann. Normal ist es sicherlich schon, dass man nervös ist. Auch Angst hat. Trotzdem wollte ich es nicht unausgesprochen lassen, was ich fühle.

Mit dem Beginn der Therapie bedeutet es auch für mich, weniger zum Schreiben zu kommen. Bisher, seit einiger Zeit, lief das unglaublich gut und flüssig. Jeden Tag, mit geplanten Pausen, habe ich was geschaffen. Trotz der inneren Stimme, die stets sagt, dass alles, was ich verfasse: Schlecht, kindisch, unbrauchbar, stilistischer Quatsch und unreif ist.

Egal, also weniger schreiben, dafür mehr in der Vergangenheit von mir wühlen. Gruppentherapien usw. Natürlich habe ich Angst davor, wenn es am Montag losgeht. Aber ich habe vor allem Angst davor, was sein wird in einigen Monaten. Wenn ich Tabletten nehmen soll usw. Bin ich dann noch die gleiche Person? Vielleicht hasse ich jetzt alles, was ich schreibe, aber werde ich dann noch, psychisch auf eine Normalität getrimmt, in der Lage sein, überhaupt zu schreiben?

[In diesem Absatz wollte ich beschreiben, wie es für mich ist, zu schreiben. Aber ich finde nicht die richtigen Worte in diesem Moment, um das zu erklären bzw. fühlt es sich aktuell zu umständlich und unpassend an. Vielleicht ein anderes Mal.]

Ich mein, es ist eigentlich klar, dass ich diese Therapie brauche. Irgendwie muss man ja auch mal wieder Normalität in den Alltag einkehren lassen können. Ohne Ängste, ohne seltsam emotionalen Zuständen und einen wenig Selbstbewusstsein … Denn das fehlt mir am meisten: Selbstbewusstsein. Es ist manchmal eine verkehrte Logik, zu wissen, dass die eigenen Gedanken nicht der Wahrheit entsprechen, das eigene Bild von einem verzerrt ist und man für sich selbst Normen aufstellt, denen man gerecht werden muss, man diese aber nicht auf andere Personen überträgt. Wieso muss ich A, B und C, aber wieso erwarte ich das von niemand anderem? Wieso erwarte ich von mir, so zu sein und bewerte mich dahingehend, während andere nicht danach beurteilt werden müssen (und auch nicht sollten)?

Zwiespalt ist mein täglicher Alptraum. Jedes Mal, wenn ich anfangen will zu schreiben, will ich nicht mehr schreiben, wenn ich selbst weder zufrieden bin mit meiner Arbeit, noch erwarte ich von mir, dass ich es je könnte. Auf der anderen Seite lese ich mir durch, was ich geschrieben habe und muss zwanghaft alles ändern, da es nicht meinem Standard entspricht. Hasse dann aber wieder, was ich schreibe und eigentlich liebe ich das Schreiben, denn nur dann fühle ich mich wirklich nützlich und „angekommen“. Es ist ein andauernder Kampf, den ich auf lange Sicht nicht gewinnen kann.

Die Angst ist da, zu scheitern. Es nicht zu schaffen. Die Angst ist da, jemand anderes zu werden. Gleichzeitig ist der Wunsch da, genau das zu sein. Aber ich will nicht das einzige, was mir bisher geblieben ist (an Tätigkeit), die mich wahrhaftig erfüllt. Egal, ob ich nun objektiv betrachtet gut oder schlecht in dem bin, was ich tue.

Was ist schlimmer? Das eigene Leben beenden wollen oder ein fremdes Leben führen müssen?

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