Days Gone 2: Kein Sequel, weil Spieler zu geizig sind?

by Toshio Riko

Days Gone wird keinen Nachfolger erhalten. Doch warum nicht? Liegt es an Sony, die ja schließlich entsprechende Vorschläge des Entwicklers abgeschmettert haben? Oder an den geizigen Spieler, der den ach so armen Entwickler nicht unterstützen will? Oder gar ein ganz böser Pirat ist und Torrents nutzt, um an sein Spielerlebnis zu gelangen … Der Entwickler ist sich sicher; seine Schuld ist es nicht.

Große Aufregung um den Entwickler Bend Games, dem Studio hinter dem Open-World Zombie-Spiel Days Gone. Es fing alles damit an, dass ein Sequel zu dem Spiel durch Sony abgesägt wurde. Man sah offensichtlich keine Zukunft für diese IP, was wohl auch am mangelnden Umsatz durch Verkäufe lag. Und das scheint den Director des Studios, Josh Garvin, besonders zu ärgern. Denn der verkorkste Launch wäre „allein“ die Schuld des Spielers gewesen. Diese verdammten, geizigen Sesselpupser, die sich zu fein sind, 70 Euro für einen Titel auszugeben, dann aber große Enttäuschung zeigen, wenn es kein Sequel gibt. Zitat:

„Ich habe eine Meinung zu etwas, das die Zuschauer vielleicht interessant finden und es wird einige wahrscheinlich verärgern. Wenn ihr ein Spiel liebt, dann kauft es zum verdammten Vollpreis. Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich von Spielern gehört habe »Ja, das hab ich im Sale bekommen oder durch PS Plus, was auch immer.«“

Sehr interessant. Dieses Zitat stammt aus einem YouTube-Interview mit David Jaffe (Video Game Designer und Mitverantwortlich für ältere God of Wars und Twisted Metal), der zwar auf dieses Statement einharkt, schließlich könne der Spieler vor dem Kauf nicht wissen, ob sie das Spiel mögen, doch das gefällt Garvin gar nicht und holt voll aus. Zitat:

„Ich sag’s ja nur, man weiß es nicht, aber beschwert euch nicht, wenn ein Spiel kein Sequel bekommt, wenn es beim Launch nicht unterstützt wurde. God of War hat wie viele Millionen Verkäufe auch immer zum Launch erreicht und Days Gone nicht. (…) Also denke ich nicht, dass ein Aufschwung beim Interesse am Spiel nicht so wichtig ist wie: Habt ihr das Spiel zum Vollpreis gekauft? Denn wenn ihr das gemacht habt, dann habt ihr die Entwickler direkt unterstützt.“

Weiter beklagt er, dass Days Gone viel zu oft illegal heruntergeladen wurde und dass zu wenig gegen diese Art von Diebstahl getan wird.

Dass auf solch ein Statement schnell böse Reaktionen auf Reddit und Twitter folgen, dafür braucht man kein Wahrsager sein, um das zu erahnen. Natürlich sieht sich die Spielerschaft ins schlechte Licht gestellt, unfair und ohne Anhaltspunkte. Sie sehen auch, wo die wahren Probleme liegen. Nicht etwa an ihrem Geiz, sondern beim Entwickler, der offensichtlich entweder sich keiner Schuld bewusst ist, oder aber zumindest keine einräumt.

In welchem Zustand befand sich Days Gone denn zum kritischen Zeitpunkt des Releases, wo der meiste Umsatz dank Vollpreis generiert wird? In keinem guten, so viel sei gesagt. Schlechte Reviews, massig Bugs und verkorkster Release gab es nicht nur bei Days Gone, sondern prägen seit Jahren die Gaming-Industrie. Halbfertige Games rausbringen und später verbessern. Spieler haben keinen Vertrauensvorschuss für Entwickler mehr übrig, sie zögern, besonders dann, wenn das Studio Bend Games heißt. Nicht, weil der Name für Quantität statt Qualität steht, sondern für gar nichts. Unbekannter Name, hohe Ambitionen, das kommt einem bekannt vor, also zögert man vor einem Kauf.

Umso stupider wirkt es, sich mit dem God of Wars Reboot zu vergleichen, dessen Release ein wahrer Erfolg für Sony war. Das Spiel erhielt aber massig gute Reviews vorab und nach dem Release, sah prächtig aus, war sehr gut optimiert und, das ist wohl am ausschlaggebendsten, das Santa Monica Studio hat einen sehr guten Ruf für seine God of War-Reihe und eine 22-jährige Historie.

Natürlich verkauft sich dieses Spiel sehr gut. Natürlich sind da Leute bereit, den Vollpreis zu zahlen. Vollpreis bedeutet übrigens für viele Menschen, zwischen den Einkauf für eine ganze Woche oder einen möglicherweise enttäuschendem Spielerlebnis zu entscheiden. Ich lebe unter der Armutsgrenze, offiziell, und kann nur dank einer großartigen Mutter und Oma meines Sohnes, meine Familie ernähren. Ich kann mir mal ein Spiel leisten, keine Frage, aber würde heute Days Gone veröffentlicht werden, und würde ich die Reviews und Fazits lesen zu dem Spiel, dann würde ich dem eine Abfuhr erteilen, denn 70 € brauche ich für etwas anderes. Wenn dann das Spiel im Sale ist für 10 €, dann würde ich eher zuschlagen, aber oje, jetzt bin ich der Buhmann in der Welt von Garvin und Bend Studios, denn was fällt mir ein, das Spiel nicht zum Vollpreis zu kaufen.

Auf Reddit findet ein Nutzer noch passende Worte zu dem Thema:

„Wie alle anderen sagen, Leute kaufen es nicht direkt nach dem Release, wenn die Reviews sagen, es ist voller technischer Probleme. Und ich werde sicher nicht würfeln und vorbestellen. Ich zahle liebend gern den Vollpreis für einen neuen Release, der es verdient. Ich habe gerade It Takes Two für 40 Dollar gekauft (…), da stimme ich

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