GTA V: Expanded & verarscht!

by Toshio Riko

Als Grand Theft Auto V rauskam, habe ich es geliebt, aber auch gehasst. Einerseits geliebt, weil die Welt so riesig und schön aussah, gehasst, weil viele Details aus dem vorherigen Titel fehlten. Geliebt, weil dann aber doch viele neue Details hinzugefügt wurden und gehasst, weil Rockstar sich einen Scheiß um den Singleplayer kümmert. Geliebt, weil Modding weiterhin toleriert wird und gehasst, da man nichts gegen Cheater im Online-Modus tut und den kompletten GTA:O-Modi verhunzt hat.

Ich Dummerchen habe damals, als ich gerade frisch umgezogen wurde (wer zieht schon gerne von der Weltstadt Hamburg nach SH in ein Kuhdorf), doch tatsächlich von meinem hart ersparten Taschengeld mir die Collectors Edition für GTA V gekauft. Cool, was für ein Tag war das, als der UPS-Mann mir das riesige Paket in die Arme drückte und ich endlich um kurz nach 12 Uhr Hand anlegen durfte an dieses massive Spiel voller Möglichkeiten und Ballererin. Okay, erstmal den Pre-Patch downloaden. Aber immerhin war das Internet hier im Kuhdorf, auf DSL bezogen, stolze 5x schneller. Irre. Mit 1,6 MB/s downloaden, was ein Traum. Auf meiner PS3 Slim-Edition. Das gute, alte Ding.

Natürlich war ich so begeistert von dem Spiel, dass ich, knapp ein Jahr nach dem Release der PS4 mir eben diese Konsole samt GTA V für eben jenes System geholt habe. First Person in GTA V, wie geil ist das denn? Und ich wäre nicht ich, wenn ich mir nicht auch für den PC, für die Mods und alles, was dazu gehört, das Spiel auch auf Steam gekauft hätte. Jetzt war meine Sammlung komplett, das Spiel machte für ein Gelegenheitsspiel und all den Mods immer noch Spaß, dann vergingen die Jahre, es folgte nie ein Singleplayer-DLC und der Online-Modus wurde mit völlig irrsinnigem Content vollgestopft, bis einem die Lust verging, nur daran zu denken, diesen zu starten. Gut, Rockstar hat keine Lust auf Story-DLC, denn sie kündigen dafür sicher bald GTA 6 an, oder nicht? Schließlich steuern wir langsam auf die Next-Gen zu … Und der kleine Toshio hat heute sogar eine 600k-Leitung, statt wie früher eine 4k-DSL-Leitung. Ich bin bereit für den Download, also gibs mir, Rockstar …

Endlich, die Ankündigung der neuen Konsolengeneration. Mit Spannung wird der Stream während einer weltweiten Pandemie verfolgt. Dann ist es da, ja wirklich. Es ist das ROCKSTAR Logo. Ja, das gibt es doch nicht … Sekunde … Warum er hierhergezogen ist? Wegen dem Wetter? Oder … Ich weiß es nicht, diese eine Sache, diese Magie? Warum höre ich Michael aus der Vergangenheit und sehe einen ikonischen Trailer mit viel schlechterer Musik? Die Kinnlade rutscht immer tiefer, die Entsetzung breitet sich in meinem ganzen Körper aus. Dann folgt die Ernüchterung. Alles, was wir bekommen, ist Mamas Spaghetti, im Topf mit Öl aufgewärmt (damit es schön glänzt) und etwas Maggi. Nur blöd, dass diese Spaghetti seit sieben Jahren im Kühlschrank stehen und mir nun Kotzübel ist.

Nein, es kommt nichts mehr, nur GTA V auf der dritten Konsolengeneration, erweitert und verbessert heißt es im Trailer. Witzig, was will ich mit einem „erweiterten“ GTA V? Reichen 140 Millionen verkaufte Einheiten und Milliarden an Umsätzen aus dem verbuggten und mit Hackern versuchten Online-Modus nicht aus? Offensichtlich nicht.

Aber hey, jetzt sagt Take 2, Publisher von Rockstar Games, dass die neue GTA V-Version eben nicht nur ein „einfacher Port“ ist, sondern … haltet euch fest: Man nehme sich Zeit, ein bestmögliches Ergebnis zu liefern, eine „großartige Erfahrung“ für die Spieler. Man will die Performance und Grafik verbessern, sagt da der Take 2-CEO Strauss Zelnick.

Leute, wir brauchen keine verbesserte Version von GTA V. Außer ihr würdet planen, dann auch einen Singleplayer-DLC hinzuzufügen, für ALLE Versionen. So als kleine Entschuldigung, dass ihr euch Zeit lasst mit GTA 6. Ich mein, ist ja auch in Ordnung, dass ein so großer Titel, der einmal mehr die Erwartung des Vorgängers toppen muss, Zeit braucht – ich bin da der Letzte, der euch das nicht gönnt und genehmigt. Und auch niemand sonst würde wohl sauer sein, wenn ihr GTA 6 noch länger verheimlicht und weiter dran arbeitet, in Ruhe.

Aber Hauptsache, ihr bewerbt jetzt diesen Witz an Ankündigung, diese massive Enttäuschung hunderttausender Fans, als Remaster. Ein Remaster, welches so groß und spektakulär angekündigt wurde. Und niemand danach gefragt hat.

Es geht hier, das ist nun kein Geheimnis, wenn ich das ausspreche, lediglich darum, die Kiddys ihr Geld aus den Taschen zu ziehen. Hauptsache man gewinnt eine neue Generation an Zockern für die eigene Gelddruckmaschinerie: GTA Online. Und das wäre auch in Ordnung, schließlich leben wir in einer kapitalistischen Welt. Aber man tut sich seinem Ruf keinen Gefallen, wenn man den Trailer so plump und lieblos gestaltet, wie letztes Jahr im Herbst zur PS5-Ankündigung. Und damit die legendäre Ankündigung aus dem Jahre 2011 verhunzt.

Hättet ihr mal lieber ein Remake, also kein billiges Remaster, eines euer Klassikers angekündigt und danach noch beiläufig GTA Online für PS5, dann wäre das vielleicht durchgegangen. So ein GTA: San Andreas in der Grafik von GTA V aus dem Jahre 2013. Das hätte doch schon gereicht.

Ich bin schon gespannt, wenn die ersten Vergleiche herangezogen werden zwischen GTA V damals und heute, auf der PS5. Wie viel ihr wirklich „verbessert“ habt. Ich habe da so ein Gefühl, dass die versprochene „erweiterte und verbesserte“ Version nicht mehr als ein einfacher Patch aussehen wird.

So, Frust abgebaut. Und der Witz des Tages: Bei den „Kollegen“ von WinFuture heißt es das: „mit Spannung [erwartete] Remaster von Grand Theft Auto (GTA) 5.“

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