by Toshio Riko

Kapitel 1​

»2011«

Es fing alles damit an, dass ein kleiner Junge mit dem unfassbar unkreativen Namen Eschaa, welcher nichts zu bedeuten hatte, im Jahr 2010, kurz vor dem Dezember-Monat, das WoW-Spiel in Media Markt in Altona erwarb. Es war wohl sein größter Fehler, denn diese Entscheidung, auf einen falschen Freund zu hören und dieses Spiel auszuprobieren, sollte sich noch rächen. Nicht nur, weil ein Jahr später er immer noch dieses Spiel spielte und nun dafür „belächelt“ wurde in seiner Klasse, was noch viel zu lieb ist.
Seine ersten Anfänge waren von alleinigem Questen in den verschiedensten Länderin geprägt. Mit viel Spaß und einem Interesse an den verschiedensten Side-Quests, „RPte“ er sich einen Weg durch die Ländereien und vor allem, von Level zu Level. Es dauerte wohl gut drei Monate, bis er irgendwann tatsächlich das Max-Level von 85 erreicht hatte. Denn Cataclysm wurde nur kurz nach seinem Spielstart veröffentlicht.
In der Gilde seines falschen Freundes hielt er sich ohnehin nicht lange auf, er durfte dort nicht raiden, es gab keine Twink-Raids (auch wenn ihm das gar nicht bekannt war, dass es sowas gab) und so zog es ihn zu einer Fun-Gilde, wo er aus Spaß raiden durfte, ohne Zwang und ohne das Achten auf irgendwelche Logs. Natürlich wollte man Bosse legen, aber mit einem Lachen. Wipen gehört zum Spaß, als Gruppe etwas zu tun dazu.
Etwas, was ihm später lange Zeit fehlen wird, als er eine private Nachricht von einem Offizier der Gilde TnD erhielt. Denn Eschaa hatte Lust auf mehr Bosse, auf Ragnaros und gutes Gear. Er wollte Eule spielen und das möglichst „vernünftig.“ Und da kam TnD gerade passend. Boten sie doch damals schon viel Unterstützung, tolle Raid-Stimmung, einen erfahrenen Leader uvm. Und Eschaa glaubte das. Und trat der Gilde bei. Und ab hier sollte sich sein Leben für immer ändern.

Irgendwann im Sommer 2011 war er also Teil dieser vermeintlich tollen Truppe. Doch die ersten Raids waren mehr als anstrengend. Statt mit Spaß gab es hier strengste Härte. Statt ruhiges Taktieren und Absprachen auf Augenhöhe, gab es hier einen wütenden Raidlead, viele Kicks und viele Skandale. Man merkt also, damals war nichts anders als heute. Nur Eschaa, der war noch etwas dümmer. Und jünger.
Es war eine altbekannte Masche des damaligen Gildenleads, seine Jungspunde um die Finger zu wickeln, sie im Glauben lassen, dass er nur Gutes im Sinne hat für sie. Er zeigte an einigen Tagen eine völlig andere Seite von sich, war nett, verspielt und gab sich verständlich. Dann aber platze es wieder aus ihm heraus. Doch damit wenigstens ein Paar zu ihm halten würden, gab er diesen Jungen das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Er bot ihm ein Zuhause, bot ihm sich als Person zum Reden an, gab sich als Freund. Versprach, immer für ein da zu sein, Hauptsache man selbst ist auch für ihn da. Und hier fängt das hauptsächliche Problem erst an.

Ob bewusst oder unbewusst, nutze Albira die Gutgläubigkeit des kleinen Eschaas aus. Egal wie, er machte das sehr gut. Er setze ihn als seinen Offizier in eine „ranghohe“ Position, gab ihm Verantwortung und das Gefühl von Bedeutung, verlange dafür im Gegenzug aber tägliche Mitarbeit und das bedeutet, tägliches An- und Abwerben neuer Mitraider. Immer häufiger hagelte es Kritik an TnD, die auch der junge Eschaa mitbekam. Aber er verstand es nicht. Er verteidigte sein TnD, wo er sich Zuhause fühlt. Geborgen. Behütet. Er sprang in de Bresche für den Gildenlead und argumentierte gegen die bösen Stimmen aus dem /2.

Er tat das mit viel Leidenschaft, mit sehr viel Leidenschaft. Etwas, was dem Gildenlead auch gefall. Eschaa war für die Gilde bis drei Uhr in die Nacht da, sprach mit anderen Mitgliedern, lief Dungeon-Runs für Loot, suchte ununterbrochen nach neuen Mitgliedern und ließ dafür sogar die Schule mehr als nur schleifen. Er schaffte zu Spitzenzeiten, mehr als 110, wenn nicht sogar mehr, Stunden pro Woche!!! nur für die Gilde zu opfern. Während sich andere Offis bereits von Albira abwandten und sie einen „Einlauf“ von ihm kassierten, blieb Eschaa an seiner Seite. Ununterbrochen.

Bis der Januar kam. Und die Mutter ihm offenbarte, dank Elternschutzgedöns, wie viel ihr Sohn denn da überhaupt WoW spiele. Eschaa offenbarte seine krankhafte Neigung, alles für die Gilde tun zu müssen und realisierte, dass seine schulischen Leistungen zu sehr litten und dass sich etwas ändern muss. Er erkannte, dass, nennen wir ihn beim Namen, Albira eine falsche Schlange war. Oder wie es so schön heißt: Ein Wolf im Schafspelz. Er gaukelte ihm was vor. Und er war nicht alleine. Ein anderer Junge, Name leider in Vergessenheit geraten, ebenfalls, und das war gemeinhin bekannt, ein Schüler, stand ebenfalls Nächte lang für die Gilde zur Verfügung. Störte das den Albira? Sicherlich nicht. Dieser arme Junge ließ sich derartig das Gehirn waschen von Albira, dass er nicht mal die negativen Aspekte an ihm sah.
Dieses Kapitel, welches nun vor über 10 Jahren begann, ist selbst dem Eschaa beinah gänzlich in Vergessenheit geraten. Nur noch Fetzen einer Erinnerung an diese düstere Zeit sind geblieben. An die psychische Manipulation und Ausnutzung eines jungen Burschen, mag er sich ungern noch erinnern. Diese Zeit hat ihn stark geprägt, und das leider nicht im Guten. Doch an einen Satz kann er sich sehr gut erinnern, kurz nachdem er die Gilde verlassen hatte, im Elternbett lag am Notebook und einen Artikel zu ihm auf Albiras uralter Website las, die ihn betraf, die bespickt war von Lügen und Unwahrheiten:
»Ich werde mich rächen an ihm. Irgendwann.«

Kapitel 2

»2014«

Es wäre nicht nötig zu erwähnen, dass Eschaa kurzfristig im Jahr 2012, unter anderem Namen, in die Gilde erneut über einen Mass-Invite eingeladen wurde und sich dieser sehr kurz anschloss. Natürlich flog der ganze Spaß auf, auch, weil Eschaa gar nicht darauf vorbereitet war. Es sollte noch ganze zwei Jahre dauern, bis er bereit war für Part 2 seiner Rache.
2014 kam er mit MoP zurück nach WoW, erstmal nur, weil er sich unbedingt das AddOn ansehen wollte. Und er war eine gute Eule geworden zu dieser Zeit. Zu Beginn spielte er ganz normal, doch er fasste sich eine Idee: Was ist, wenn ich erneut in die Gilde kommen könnte, unter meinen neuen Namen und einer sauberen Historie? Keine Logs, keine Daten auf WoWProgress.

Er wusste, er muss nur warten. Er braucht die Gilde nicht mal kontaktieren. Und so kam der Invite irgendwann, er weiß nicht wann genau. In MoP arbeitete sich Eschaa, nun mit anderen Namen. Naramil sollte er lauten (glaubt er heute zumindest). Doch so wirklich einen Plan hatte er nicht. Erstmal das Vertrauen von Albira ergattern. Das hatte oberste Priorität. Er wusste genau, was Albira will, was er tun muss und wie er bekam, was er wollte. Also mit er ist Naramil gemeint, nicht Albira. Denn Naramil kannte Albira nun sehr gut. Und so dauerte es nicht lange, dass Naramil erst Offizier, und am Ende sogar Co-Leader wurde und sein Spielchen fortsetzen konnte.
Statt vorbildlich die Aggressionen des Albiras zu kompensieren und der geliebte Ansprechpartner für Probleme zu werden, kopierte er einfach das Verhalten von ihm und pöbelte jeden an, der sich nicht an das ach so wichtige Regelwerk hielt. Und obwohl er so völlig übertrieb und mindestens zehn Mitglieder an einem Tag vertrieben hat (das mag etwas übertrieben sein, aber ihr wisst, worauf es hinausläuft), wurde Naramil nicht geliebter Ansprechpartner der übrigen Raider, sondern Vertrauensperson für Albira. Und dieser offenbarte ihm so einiges. Und leider besitzt Naramil so etwas wie Restehre und hat diese Gespräche nicht aufgenommen, aber wir können es hier in kurzen Worten zusammenfassen:

Albira berichtete ihm über seine etwaigen psychischen Probleme und seine vielzählig gescheiterten Suizidversuche. Das mögen eine Geschmacklos empfinden, andere wieder belustigend. Dass der Albira nicht mal in der Lage ist, sein eigenes Leben zu nehmen. Seine Probleme kompensiert er wiederrum in WoW, wo er seine Komplexe an anderen auslässt. Im echten Leben ein Versager, der sogar im Familienrestaurant nur ungerne ein Mitarbeiter ist und sich ständig mit dem (Groß-? Stief-?)Vater in den Haaren hat und natürlich seine Arbeitszeiten stets auf die Gilde zugeschnitten sein müssen, während die arme Azubine von seinen lustvollen Augen angestarrt werden muss, weil sie etwas Ausschnitt hat. Na ja, lassen wir das Thema mal.Was ist denn aus der Rache geworden? Nun, er Naramil hat die Gilde verlassen, auch, weil er selbst eine (narzisstische) Freundin hatte, für der er eher mehr Zeit opfern wollte und die Schule für sie schliefen ließ. (Er hat es mit Leuten, die ihn ausnutzen wollen, nicht wahr?).
Von dieser Zeit ist nicht viel übriggeblieben und die große Revolte blieb noch aus. Aber er konnte erneut viele Intels sammeln und seinen Plan weiterspinnen. So hatte er die glorreiche Idee, in zwei Jahren wiederzukommen. Zu einem neuen Add-On. Mit einer neuen Idee.

Kapitel 3

»2015«

Es wäre nur ehrlich zu erwähnen, dass Naramil eine leichte Wahnhaftigkeit entwickelt hat, mit der Idee, Albira irgendwann zu vernichten. Sein Zorn ist immens. Er sah am eigenen Leibe erneut, wie Albira 2014 mit den Mitgliedern umgegangen ist. Wie er sie ausbeutete. All der Hass, der sich aus seinen jungen Jahren angestaut hatte, entlud sich erneut. Er konnte nicht mehr zusehen, wie Albira das durchzog. Immer weiter, immer heftiger. Immer aggressiver. Ihr kennt die Videos, ich brauch euch hier nichts zu erzählen, was ihr nicht schon kennt.

Es war sein Fehler, den Naramil, ehemals Eschaa, so auf die Füße zu treten. Erst einen kleinen Jungen bis ans Elend auszubeuten, um ihn dann, statt ihn einfach ziehen zu lassen und nicht diesen Schmäh-Artikel über ihn zu schreiben, ich schwöre beim heiligen Scheiß-Gott, hätte ich nie eine Sekunde mehr an ihn verschwendet oder irgendwelche Pläne zum Trollen geschmiedet. Aber er musste am Ende meiner damaligen Zeit, 2012, noch einen draufsetzen und wollte meinen Namen in den Schmutz ziehen, mir eine WoW-Karriere endgültig verbauen. Er konnte es nicht ausstehen, dass jemand gegen ihn war, ein Kind, und sich gegen ihn zur Wehr setze. Albira, hättest du damals einfach die Fresse gehalten, was du von so vielen verlangt hast bisher, wärest du niemals in dieser Situation gelandet und hättest dich mit einer neuen Identität in F1 flüchten müssen.

Jetzt sind wir aber im Jahr 2015 angekommen. Und Eschaa aka Naramil aka Suhra (er machte einen Namechange während er 2014 in TnD war), dachte sich einen neuen, gewieften Plan aus. Er wollte auf die damals noch aktiven Server von Albiras Websites. (Klingt das nicht so ganz legal? Egal, verjährt. Es gab ja auch keinen Versuch, nur die Idee … und ein Hacker, der mitgespielt hätte … EGAL. VERJÄHRT!)
Doch wie schafft man es, sich ERNEUT so sehr ins Herz des uns so geliebten Raidleads zu schleimen? Ganz einfach, man baut sich eine komplette Fake-Identität auf. Mit Bildern einer falschen Person und mit einem besonderen Training und einem perfekt auf die Stimme von Naramil eingestelltem Voice-Changer:

Die Geburt von Mia alias Miaxylia (oder wie ich mich Ingame nannte) ist gekommen.
Wochenlang trainierte ich jede Konsonante, jeder Vokal, jeden Huster und erlernte mir eine Stimme na, die geparrt mit dem Voice-Changer einfach perfekt war. Ich war nun die neue, junge und vor allem hübsche Frau, in die sich Albira natürlich sehr schnell verliebte – und leider auch andere Offiziere, die meinten, mich anbaggern und zu Dates einladen mussten. Wie es sich anfühlt, als Frau belästigt zu werden, kann ich seit jeher zumindest um 1 % nachvollziehen.
Doch meine Zeit war nur begrenzt. Leider. Denn noch immer gab es diese narzisstische Freundin an meiner Seite, die mir zu viel Zeit klaute. Mia brachte es noch zum Offizier, konnte auch Vertrauen bei Albira gewinnen, doch der Plan musste kurzerhand abgebrochen werden. Für eine betrügerische Freundin, mit der ich einige Monate später sowieso nichts mehr zu tun habe. Schade eigentlich.

 

So lustig dieses Kapitel auch war, Albira eine Frau vorzugaukeln, der er selbst Avancen gemacht hatte (ich war 18 oder 19 im Spiel, er 40 oder so) … Konnte ich nicht bis zum Ende durchziehen.